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Wo in den Hammerwerken das Eisen bis heute glüht

Bensch Blaser in seinem Atelier, wo er die alte Kunst des Schmiedens mit viel Leidenschaft weiterführt

Seit Jahrhunderten wird in den Hammerwerken in Worblaufen Metall bearbeitet. Wo früher schwere Hämmer dröhnten und bis zu 70 Menschen arbeiteten, sind heute wieder Schmiede, Metallbauer und Kunstschaffende tätig. Einer von ihnen ist Benjamin «Bensch» Blaser. Er verbindet altes Handwerk mit neuen Ideen und trägt dazu bei, dass die Geschichte dieses besonderen Ortes weiterlebt.

Feuer und Flamme fürs Schmieden
Bei Bensch Blaser begann alles mit einem Buch. Während einer Weltreise entdeckte er 2012 in Tasmanien ein Werk über die Kunst des Schmiedens. Das Thema faszinierte ihn sofort. Zurück in der Schweiz besuchte er erste Kurse und begann selbst zu schmieden.

Was als Hobby startete, entwickelte sich Schritt für Schritt weiter. Heute fertigt Bensch Blaser vor allem Messer, Werkzeuge und individuelle Auftragsarbeiten. Dazu kommen Kurse, unter anderem im Freilichtmuseum Ballenberg. Seit 2019 ist er in den Hammerwerken tätig. Seine heutige Werkstatt baute er weitgehend selbst auf. Die Halle war leer, Strom, Leitungen und Einrichtung mussten neu entstehen.

Gerade dieser Ort passt zu seiner Arbeit. Denn in den Hammerwerken wird seit Jahrhunderten Metall geformt. Bereits 1404 wird ein Schmied in Worblaufen erwähnt, 1490 ist erstmals eine Hammerschmiede am heutigen Standort historisch belegt. Über lange Zeit lieferte die Worble die nötige Energie für die schweren Hämmer.

«Die Hammerwerke sind kein Museum, sondern ein lebendiger Arbeitsort.»

Vom Handwerksbetrieb zur Industrieschmiede
Ab 1844 prägte die Familie Müller die Geschichte der Hammerwerke. Zunächst entstanden Werkzeuge für Landwirtschaft, Handwerk und Militär, später wurden immer anspruchsvollere Schmiedeteile gefertigt. Dazu gehörten unter anderem Wagenachsen für die Post, Bauteile für Eisenbahnen, Generatoren und Schiffsmotoren.

Auch besondere Stücke verliessen die Werkhallen. 1893 wurde auf dem grossen Schwanzhammer der rund 350 Kilogramm schwere Klöppel für die grösste Glocke des Berner Münsters geschmiedet. Mit der Industrialisierung wurden die Maschinen grösser, die Werkstücke schwerer und die Produktion umfangreicher. Während des Zweiten Weltkriegs beschäftigte der Betrieb bis zu 70 Mitarbeitende.

Später spezialisierte sich die Firma auf nahtlose Ringe für industrielle Anwendungen. Diese wurden ohne geschweisste Schwachstelle hergestellt und fanden in verschiedensten Bereichen Verwendung. Mit zunehmendem Konkurrenzdruck und dem Bedarf nach weiteren Modernisierungen wurde die Produktion jedoch schwieriger. 2014 stellte die Hammerwerke Müller AG den Betrieb ein.

Neues Leben in alten Mauern
Heute ist von Stillstand wenig zu spüren. Rund zehn Mietparteien mit insgesamt etwa 15 Personen nutzen die historischen Räume. Viele sind handwerklich oder gestalterisch tätig, darunter Schmiede, Schlosser, Metallbauer, ein Goldschmied sowie Kunstschaffende, die mit unterschiedlichen Werkstoffen arbeiten und dabei ebenfalls einen starken Bezug zum Metall haben.

Für Bensch Blaser liegt genau darin der besondere Wert des Ortes. Die Hammerwerke sind kein Museum, sondern ein lebendiger Arbeitsort. In den alten Hallen wird weiterhin geschnitten, gehämmert, erhitzt und geformt. 2023 wurde die Mieterschaft für die Revitalisierung und Restaurierung der historischen Werkstätten mit dem Spezialpreis der bernischen kantonalen Denkmalpflege ausgezeichnet.

Auch für die Zukunft gibt es Pläne. Die historische Schwanzhammeranlage soll restauriert und eines Tages wieder mit Wasserkraft betrieben werden. So könnte wieder erlebbar werden, wie hier bereits vor Jahrhunderten gearbeitet wurde.

Für Bensch Blaser ist entscheidend, dass die Geschichte nicht nur bewahrt, sondern weitergeführt wird. Die Maschinen und Mauern erzählen von früher, doch gleichzeitig entsteht täglich Neues. Genau das macht die Hammerwerke bis heute besonders.

tpa

Infobox
Weitere Informationen zur Schmiede und ihren Angeboten unter
www.schmiede-bvb.ch

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