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Widerstand im «Waldheim»

Heidi Zuber wurde von Sohn Cyrill begleitet, der seinen Eltern öffentlich für ihr vorbildliches Engagement dankte.

Vierzig Jahre nachdem Heidi und Peter Zuber im «Waldheim» Vertretende aus politischen und intellektuellen Kreisen zum banquet républicain empfingen und damit Historisches bewirkten, lud die Universität Bern zum Erinnerungsanlass. Eine Hommage.

Gleich zu Beginn der bis auf den letzten Platz ausgebuchten Veranstaltung im Kulturzentrum Tell konstatierte Francesca Falk, Dozentin für Migrationsgeschichte und Organisationsverantwortliche des Events, dass sich vor vierzig Jahren ein wichtiges Stück Schweizer Zeitgeschichte in Ostermundigen ereignete. Damals nämlich lud das Ehepaar Heidi und Peter Zuber zu einem banquet républicain und löste damit einen schweizweiten Diskurs aus.

Aufruf zum Widerstand
Bereits 1984 hatten Heidi Zuber und ihr Ehemann, der 1999 verstorbene Arzt Peter Zuber, die Aktion für abgewiesene Asylsuchende (AAA) gegründet, die in ihrer Hochphase um die 10’000 Mitglieder zählen sollte. Mittels Zeitungsinserat richtete sich das Ehepaar an die Öffentlichkeit und rief dazu auf, abgewiesene Flüchtlinge privat unterzubringen, um deren Ausschaffung zu verhindern.

Banquet républicain
1986 gingen Zubers einen Schritt weiter. In Anlehnung an die politischen Versammlungen mit Essen, die nach der Zeit der Französischen Revolution abgehalten wurden, luden sie zum banquet républicain gegen Ausschaffung zu sich nach Ostermundigen. Zahlreiche Prominente aus Politik und Kultur folgten der Einladung. Ziel war es, die behördlich angeordnete Ausschaffung der bei Zubers beherbergten Familie Kambua ins damalige von Diktator Mobutu Sese Soko beherrschte Zaire (derzeit Demokratische Republik Kongo) zu verhindern. Durch den öffentlichen Druck wurde das Ausschaffungsverfahren schliesslich vor-übergehend ausgesetzt, Heidi und Peter Zuber jedoch wegen Gewährung illegalen Aufenthalts von Asylsuchenden angeklagt und je zu einer bedingten Bewährungsstrafe verurteilt. Der Widerstand von Zubers und ihren Mitstreitenden hatte politisch viel bewirkt, denn in den 80er Jahren wurden Menschen auch in Länder ausgeschafft, in welchen ihnen Folter und Tod drohten.

Mutige Entschlossenheit
Die Arbeit der Zubers hatte seinen Preis. Viel Zeit für Familie und Freunde blieben nicht. Und dennoch: rückblickend würde Heidi Zuber wieder genau gleich handeln. Weder behördlicher Druck noch Beschimpfungen und Morddrohungen, die immer wieder eingingen, konnten dem mit Hingabe gelebten Einsatz etwas anhaben. Überzeugt setzten sich Zubers über viele Jahre hinweg für Menschen ein. Ob Depressive, Suizidale, Suchtkranke, Mittellose oder von Ausschaffung bedrohte Asylbewerbende – immer wieder nahmen Heidi und Peter Zuber Leute eine Weile bei sich zu Hause auf.

Aus Menschenliebe
Als Zeitzeugin am Erinnerungs-anlass anwesend, schilderte Heidi Zuber eindrücklich, dass gerade auch diejenigen, die Drohungen äusserten, oft Menschen waren, die selber Hilfe benötigten. Einmal habe einer sie am Telefon beschimpft. In ein Gespräch verwickelt, habe er ihr dann weinend erzählt, dass seine Frau davongelaufen sei, er seinen Job verloren habe. Sie habe ihm dann 500 Franken geschickt, erzählte die heute 84-Jährige mit tiefer, kräftiger Stimme dem gebannt lauschenden Publikum. Der Mann fiel aus allen Wolken. Dass jemand einem anderen einfach so etwas schenken würde, konnte er kaum begreifen. Aber doch, das gab es. cfr

«Weder behördlicher Druck noch Beschimpfungen und Morddrohungen, die immer wieder eingingen, konnten dem mit
Hingabe gelebten Einsatz etwas anhaben.»


Buchtipp zum Thema: Die andere Schweiz, Asyl und Aktivismus 1973 – 2000, Jonathan Pärli, konstanz university press

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