Sven Hähni von der Polizeiwache Ostermundigen mag die Vielfalt seines Berufs (Bild: zvg)
Patrouillenfahrten, Verkehrsunfälle, Streitigkeiten, Hilfeleistungen oder spontane Einsätze: Für Sven Hähni von der Polizeiwache Ostermundigen ist die Nachtschicht der spannendste Dienst.
Die Strassen werden ruhiger, in den Häusern erlöschen nach und nach die Lichter. Im Polizeibezirk Ostermundigen, zu welchem auch die Gemeinden Stettlen, Vechigen und Muri-Gümligen gehören, zeigt sich zu später Stunde eine andere Seite der Region. Menschen sind noch unterwegs, kehren von Feiern heim, führen Hunde durch die stillen Quartiere oder beginnen bereits früh ihren Arbeitstag.
«Man weiss am Abend nie genau, was einen erwartet», sagt Sven Hähni von der Kantonspolizei Bern, Polizeiwache Ostermundigen. Der 31-Jährige arbeitet seit 2020 auf der Wache, heute als stellvertretender Gruppenchef. Davor war er zwei Jahre im Berner Oberland im Einsatz. Ursprünglich lernte er Kaufmann, später entschied er sich bewusst für die Polizeiarbeit. Gereizt habe ihn vor allem das vielfältige Tätigkeitsgebiet und die Abwechslung im Berufsalltag. «Kein Dienst ist wie der andere.»
Die Einsätze seien vor allem nachts sehr unterschiedlich. Streitigkeiten, Verkehrsunfälle, Hilfeleistungen oder Meldungen aus der Bevölkerung könnten sich rasch abwechseln. Später in der Nacht gehörten oft auch Lärmklagen oder Einsätze im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt dazu. Manche Schichten verliefen ruhig, andere änderten ihren Rhythmus innerhalb weniger Minuten. «Man muss flexibel bleiben und Situationen schnell einschätzen können», sagt Hähni.
An diesem Dienst schätzt er auch die besondere Atmosphäre. Die Stimmung im Team sei familiär. Nachts seien weniger Personen im Einsatz, man arbeite enger zusammen. Entsprechend wichtig sei es, sich aufeinander verlassen zu können und bis zum Schluss konzentriert zu bleiben. Trotz aller Routine bleibe vieles unvorhersehbar. «Das ist das Spannende an diesem Beruf.»
Dunkle Stunden sind besonders
Viele Störfaktoren fallen weg. Es gibt weniger Verkehr auf den Strassen und bei Einsätzen im öffentlichen Raum oft weniger Schaulustige. Dadurch kann konzentrierter gearbeitet werden. Auch die Anfahrt zu einem Einsatzort oder die Aufnahme eines Verkehrsunfalls verläuft oft ruhiger und einfacher. Gerade dann erlebe man Menschen häufig in Ausnahmesituationen. Alkohol, Müdigkeit oder emotionale Belastungen könnten vieles verstärken, erzählt der Polizist. Gleichzeitig gebe es aber auch stille Begegnungen und unerwartete Momente. «Wir treffen Menschen häufig in schwierigen Situationen.» Dieser direkte Kontakt mache den Beruf für ihn sinnstiftend.
Zur Schicht gehören manchmal auch Beobachtungen, die tagsüber kaum auffallen. Lieferwagen etwa, die auf den ersten Blick verdächtig wirken, sich später aber als Zeitungsverteiler herausstellen. Oder Wildtiere, die sich in der Ruhe der Dunkelheit näher an die Wohngebiete wagen.
Gegen Morgen werden die Strassen langsam wieder belebter. Lieferwagen fahren durch die Region, Pendler warten an den Haltestellen auf die ersten Busse. Für Sven Hähni gehört die Morgendämmerung nach einer langen Schicht zu den besonderen Momenten dieses Dienstes. «Man erlebt den Beginn eines neuen Tages bewusst – und mit dem Wissen, danach frei zu haben.»
Barbara Marty