Das Büro der Bantiger Post ist aufgrund einer technischen Störung telefonisch bis auf Weiteres nicht erreichbar.

Was machen Bauern im Winter?

Folientunnel, aktuell mit Nüssler: Klein im Bild am Ende des Tunnels steht Bauer Paul Flury

Die Antwort auf diese etwas provokante Frage lautet kurz zusammengefasst: «Wyterchrampfe». Was das konkret bedeutet, zeigt ein Besuch auf dem Flury-Hof in Boll.

Es kommt vor, dass hinter vorgehaltener Hand gemunkelt oder auch mal dem Landwirt oder der Landwirtin direkt ins Gesicht gesagt wird, im Winter hätten die Bauern mehrheitlich frei. Solche Vorurteile lösen beim Landwirte-Ehepaar Flury in Boll Kopfschütteln aus, denn Arbeit gibt es hier immer.

Familienbetrieb
Bereits in dritter Generation konnte Brigitte Flury gemeinsam mit ihrem Mann Paul den 18 Hektare grossen Betrieb von ihrer Familie übernehmen. Zusammen mit einer fest angestellten landwirtschaftlichen Mitarbeiterin betreiben sie eine Milchwirtschaft mit 40 Kühen, halten Hühner, bauen Gemüse an und betreiben einen Hofladen. An den Wochenenden packen oft auch ihre zwei erwachsenen Söhne mit an, die studieren und unter der Woche auswärts sind. Die Leidenschaft sei bei den Beiden eindeutig vorhanden. Kämen sie nach Hause, gelte die erste Frage nämlich stets, wie es den Tieren gehe, erzählen Flurys mit einem Schmunzeln.

Leidenschaft ist wichtig, um den Berufsalltag in der Landwirtschaft zu meistern. Bereits um 5.30 Uhr beginnt bei Flurys die Arbeit im Stall. Während im Sommer ein Arbeitstag durchaus bis 21 Uhr dauern kann, ist im Winter jeweils um 19 Uhr Feierabend.

Vielseitige Arbeit
Auf dem Hof gilt es, die Tiere zu versorgen, zu melken und zu reinigen. Wenn er gefragt werde, ob er am Wochenende auch frei habe, habe er auch schon gesagt: «Ja, ja, die Kühe stelle ich am Freitagabend ins Tiefkühlfach und nehme sie am Montagmorgen wieder heraus», lacht der Landwirt freundlich. Allerdings bleibe der Hofladen sonntags geschlossen, ergänzt Brigitte Flury. Dies habe sie eingeführt, als die Kinder noch jünger waren, damit die Familie dann jeweils ein paar Stunden Zeit für sich verbringen konnte. Montags bis samstags gilt es ansonsten, den Selbstbedienungsladen zu bewirtschaften, Bestellungen entgegenzunehmen und die Ware parat zu machen. Verkauft werden ausschliesslich Saisongemüse, Früchte und Eier aus eigener Produktion sowie frische Rohmilch. Flurys kaufen keine Ware zu. «Es het, solangs het». Hingegen beliefern sie andere Hofläden in der Region.

Nüssler für das Worblental
Neben diesen Arbeiten gilt es, Fahrzeuge und Maschinen zu pflegen. Im Herbst und Winter muss zudem bereits das Saatgut für den Frühling und Sommer bestellt werden. Viele Gemüsesorten werden nicht selbst angesät, sondern als Setzlinge gekauft und gepflanzt. So auch der Nüssler, der in einem Betrieb in Müntschemier angesät und alle zwei Wochen geliefert wird. Die kleinen Würfel, die je sechs Setzlinge enthalten, werden anschliessend im ungeheizten Folientunnel kultiviert und mit sieben Wochen geerntet. Nüssler, auch Feldsalat genannt, ist in Flurys Hofladen jeweils von Mitte Oktober bis Ende April erhältlich. Gerade über die Festtage ist die Nachfrage enorm. Dann arbeiten Flurys locker zwei halbe Tage pro Woche im Folientunnel. Ferien machen sie keine. Als die beiden Söhne im Schulalter waren, hätten sie zwischendurch ein paar Tage Ferien gemacht. «Machbar wäre es wohl schon», überlegt das Landwirte-Ehepaar. «Aber wenn dann etwas mit den Tieren wäre…». Und da ist sie wieder, die auf dem Flury-Hof gelebte Leidenschaft, die aus dem Beruf Berufung macht.

Corinne Fischer

Werbung

Das könnte Sie auch interessieren:

Suchtrail zum Jubiläum

Zu seinem 150-jährigen Jubiläum schenkt das Wohn- und Pflegeheim Utzigen der Bevölkerung einen Suchtrail.

HANG3 – Tauschen statt Kaufen

An der dritten Ausgabe vom HANG-Kleidertausch am Samstag, 29. März wechselten Stapelweise Kleider die Besitzerinnen