Der fertig gekardete Fugenzopf, der Fugen bei Fenstern und Türen abdichtet, sammelt sich vor dem Aufwickeln in grossen Tonnen
Was auf den Weiden der Region jedes Frühjahr und im Herbst bei der Schafschur anfällt, erhält in Enggistein bei Worb ein zweites Leben. Die Fisolan AG verarbeitet einen beachtlichen Teil der Schweizer Schafwolle zu Isolationsmaterial und zeigt, dass aus einem traditionellen Naturprodukt moderne Baustoffe und Gartenvliese entstehen können.
Rund 700 Tonnen Schafwolle fallen jedes Jahr in der Schweiz bei der Schur an. Ein Teil davon fand früher kaum Verwendung und galt vielerorts als wenig wertvolles Nebenprodukt der Schafhaltung. Genau hier setzt die Fisolan AG an. Seit 2012 verarbeitet das Unternehmen die Wolle zu Produkten, die in Dächern, Wänden, Böden sowie rund um Fenster und Türen verbaut werden. So bleibt im Winter die Wärme im Haus, im Sommer heizen sich die Räume weniger stark auf und gleichzeitig verbessert sich der Schallschutz.
«Schafwolle kann weit mehr als nur Wärme im Gebäude halten.»
Mehr als nur Isolation
Schafwolle kann weit mehr als nur Wärme im Gebäude halten. Die Fasern nehmen Feuchtigkeit aus der Raumluft auf und geben sie bei trockener Luft wieder ab. Dadurch entsteht ein ausgeglicheneres Raumklima. Gleichzeitig besitzt Schafwolle die besondere Eigenschaft, Schadstoffe wie Formaldehyd dauerhaft zu binden. Gerade in älteren Gebäuden oder nach Renovationen kann dies die Luftqualität zusätzlich verbessern.
Je nach Einsatzbereich wird die Wolle unterschiedlich verarbeitet. Formstabile Platten kommen beispielsweise in Dächern, Fassaden oder Innenwänden zum Einsatz. Lose Schafwolle eignet sich zum Ausfüllen kleiner Hohlräume, etwa bei Sanierungen. Ein flexibles Dämmvlies wird dort verwendet, wo Untergründe uneben sind, während Fenster- und Türanschlüsse mit einem Schafwollzopf statt mit herkömmlichem Bauschaum abgedichtet werden.
Regional verwurzelt und auf Langlebigkeit ausgelegt
Einen beachtlichen Teil der in der Schweiz anfallenden Schafwolle verarbeitet Fisolan selbst. Rund 300 Tonnen gelangen jährlich ins Unternehmen. Nach der Schur wird die Wolle zunächst im Ausland gewaschen, bevor sie in Enggistein bei Worb weiterverarbeitet wird. Heute beschäftigt Fisolan sieben Mitarbeitende. Wie viele andere Produktionsbetriebe bleibt auch das Unternehmen vom Fachkräftemangel nicht verschont und ist laufend auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitenden.
Nicht nur bei der Herkunft des Rohstoffs, sondern auch bei dessen Nutzung spielt der Kreislaufgedanke eine wichtige Rolle. Eine Schafwolldämmplatte bleibt rund 60 Jahre in einem Gebäude. Anschliessend kann sie zerkleinert und zu neuen Platten verarbeitet werden. Dieser Kreislauf lässt sich bis zu drei Mal wiederholen, wodurch das Material insgesamt rund 180 Jahre genutzt werden kann. Die Wollfasern werden heute mit feinen Bindefasern aus recyceltem PET in Form gehalten. Langfristig arbeitet Fisolan daran, diese Leimfasern durch eine biologisch abbaubare Alternative zu ersetzen.
Die Entwicklung geht weiter
Neben Schafwolle richtet das Unternehmen den Blick bereits auf weitere Rohstoffe. Künftig sollen auch Dämmstoffe aus recycelten Kleidern hergestellt werden. Textilien, die nicht mehr getragen werden, könnten dadurch eine neue Verwendung im Hausbau finden. Technisch sollen diese Dämmstoffe nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren wie jene aus Schafwolle.
Für Fisolan steht dabei die Weiterentwicklung bestehender Materialien im Vordergrund. Statt Rohstoffe nach ihrer ersten Nutzung auszusortieren, sollen sie möglichst lange weiterverwendet und erneut verarbeitet werden können. Das Ziel bleibt dasselbe: wertvolle Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten und ihnen immer wieder eine neue Aufgabe zu geben.
tpa
Mehr erfahren: Alles rund um die Fisolan AG, ihre Produkte und deren Einsatzmöglichkeiten unter www.fisolan.ch