Matthias Sommer prägte die Entwicklung der Musikschule Bantiger während 20 Jahren – als Leiter, Organisator und vielseitiger Allrounder
Als Matthias Sommer 2005 die Leitung der damaligen Musikschule Unteres Worblental übernahm, ahnte er noch nicht, dass daraus eine zwanzigjährige Erfolgsgeschichte werden würde. Nun geht er in Rente und übergibt eine moderne, regional stark verankerte Musikschule an die nächste Generation.
Der erste Arbeitstag ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben. Kaum hatte Matthias Sommer am 1. September 2005 seinen neuen Arbeitsplatz betreten, legte ihm die damalige administrative Leiterin vier dicht beschriebene A4-Seiten mit offenen Pendenzen auf den Tisch. Willkommen in der Musikschulleitung.
Ein Sprung ins kalte Wasser
Sein Einstieg war alles andere als selbstverständlich. Der ausgebildete Oboist hatte zwar zwischen 2003 und 2005 die Ausbildung zum Musikschulleiter absolviert, verfügte jedoch noch über keine Erfahrung in einer Schulleitungsfunktion. Als Familienvater, freischaffender Musiker sowie Geschäftsführer und Präsident des Orchesters OPUS, suchte er nach einer Aufgabe, die Musik und Management verbindet. Diese Herausforderung fand er in Bolligen.
Strukturen schaffen, Qualität sichern
Zu den wichtigsten Leistungen seiner Amtszeit zählt die Einführung eines professionellen Qualitätsmanagements. Als Sommer die Schule übernahm, existierten kaum schriftlich festgehaltene Abläufe oder Prozesse. Gemeinsam mit seinem Mentor Hector Herzig entwickelte er ein Organisationshandbuch, in dem Zuständigkeiten, Abläufe und Standards dokumentiert wurden. Die Musikschule Unteres Worblental gehörte damit zu den ersten Musikschulen im Kanton Bern, die eine ISO-Zertifizierung erhielten. Für Matthias war stets klar: Wissen darf nicht allein in den Köpfen einzelner Personen vorhanden sein. Das geschaffene Fundament erleichtert heute die Arbeit und sichert den Wissenstransfer über Generationen hinweg.
Vom Platzmangel zum Vorzeigeprojekt
Ein weiteres Grossprojekt war die Lösung der langjährigen Raumfrage. Das Schulhaus am Fellmattweg stiess zunehmend an seine Grenzen. Die zentrale Frage lautete: Sanierung oder Neubau? Nach intensiven Abklärungen fiel schliesslich der Entscheid für einen Neubau an der Eisengasse in Bolligen. Unter der Vorgabe, die Kosten einer Sanierung nicht zu überschreiten, entstand für rund 4,5 Millionen Franken ein modernes Gebäude im Minergie-Standard. Im Sommer 2022 konnte die Musikschule ihr neues Zuhause beziehen. Das Haus bietet optimale Bedingungen für Unterricht, Ensembles und Veranstaltungen: «Viele Musikschulen beneiden uns um dieses Gebäude», sagt Sommer mit sichtlichem Stolz.
Ein neuer Auftritt für die Region
Mit dem Neubau verbunden war auch eine strategische Neuausrichtung. Aus der Musikschule Unteres Worblental wurde die Musikschule Bantiger. Ein neuer Name, ein neues Logo und ein zeitgemässer Auftritt sollten die regionale Verankerung der Schule in den vier Trägergemeinden Bolligen, Ittigen, Ostermundigen und Stettlen stärker sichtbar machen.
Kreative Projekte und Förderung junger Talente
Während seiner Amtszeit setzte die Musikschule zudem zahlreiche erfolgreiche Projekte um. Vielen Schulkindern dürften das «Zauberschloss» und die «Zeitmaschine» mit über 80 Aufführungen in den Trägergemeinden in lebhafter Erinnerung bleiben. Auch in der Talentförderung übernahm die Musikschule Bantiger eine Vorreiterrolle. Als Kompetenzzentrum Bern Nordost begleitet sie besonders begabte junge Musikerinnen und Musiker auf ihrem Weg. Die zusätzlichen Anforderungen in den Bereichen Mentoring und Dokumentation seien zwar anspruchsvoll, die gezielte Förderung junger Talente sei jedoch eine wichtige Investition in die Zukunft.
Die Nachfolge ist geregelt
Nun steht für Sommer die letzte grosse Aufgabe bevor: die Übergabe.
Die Nachfolge wurde bewusst aus den eigenen Reihen geregelt. Mit Anastasia Hérin, Sina Maria Reiser und Roland Blatter übernimmt künftig ein dreiköpfiges Leitungsteam die Verantwortung für die Musikschule. Die neue Co-Leitung soll Bewährtes weiterführen und gleichzeitig neue Akzente setzen.
Ein starkes Fundament für die Zukunft
Matthias Sommer verlässt die Musikschule mit Gelassenheit und Vertrauen. Für ihn bedeutet Führung weit mehr als das Entwickeln und Umsetzen von Strategien. Führung ist vor allem Dienstleistung nach innen: Es geht darum, den Mitarbeitenden ein Umfeld zu schaffen, in dem sie ihr Potenzial entfalten können. Dazu gehört auch, bei Bedarf selbst anzupacken – als Bühnenarbeiter, Hauswart, Chauffeur, Organisator, Seelsorger oder einfach dort, wo gerade Unterstützung gefragt ist.
Nach zwanzig Jahren hinterlässt er eine organisatorisch gefestigte, räumlich hervorragend aufgestellte und regional stark verankerte Musikschule – ein Vermächtnis, das weit über seine Amtszeit hinaus Bestand haben wird.
Rachelle Römer
Mehr zu Musikschule Bantiger
www.musikschule-bantiger.ch