Ueli Hofer
Als Ueli Hofer vor 50 Jahren das erste Mal seine Schere am Papier ansetzte, hätte der damals noch als Konditor arbeitende junge Mann sich wohl kaum erträumen lassen, welche beachtliche Laufbahn sich mit diesem Schnitt auftun würde. Anlässlich seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Rüttihubelbad hat der renommierte Künstler der Bantiger Post einen Einblick in sein Leben und Wirken gewährt.
Ueli Hofer, wann haben Sie entschieden, Ihren «Brotberuf» an den Nagel zu hängen und als Künstler tätig zu sein?
Ich bin nach und nach hineingewachsen. Damals vor 45 Jahren war ich noch jung, habe nicht gross in die Zukunft geschaut und es einfach gewagt, meinem Herzen zu folgen. Und ich habe es in eine gute Zeit getroffen. Heutzutage ist es viel schwieriger geworden, eine künstlerische Karriere aufzubauen, auch wenn nach wie vor viele davon träumen.
Weshalb meinen Sie?
Die jungen Leute von heute hängen keine Bilder mehr an die Wand. In vielen Wohnungen sind die Wände leer oder mit Dekoartikeln versehen.
Wie ist es für Sie, wenn Sie in einen Raum mit leeren Wänden kommen?
Das halte ich gut aus (lacht).
Sie sagen, dass viele Kunst machen möchten und niemand sie kaufen und aufhängen will?
Nein, ich sage nicht, dass niemand Kunst kauft. Wie man beispielsweise bei Auktionen sieht, sind es vor allem ältere Leute ab 50ig, 60ig Jahren, die Kunst kaufen. Teils, weil Jüngere nicht in teurere Werke investieren wollen oder können, teils wegen der Schnelllebigkeit in unserer heutigen Zeit. Die Generationen verändern sich.
Wie haben Sie Ihren Durchbruch geschafft?
In den 70er und 80er Jahren herrschte Aufbruchstimmung. Ich besuchte Kurse an der Kunstgewerbeschule, zeichnete, machte Holzschnitte. Und plötzlich war da die Schere und das Papier. Von da an ging es rasch und ich hatte das Glück, dass mir mit einer Ausstellung an einem Ärztekongress in Davos ein guter Einstieg gelang und ich mit der Qualität meiner Arbeit überzeugte. Seither konnte ich lückenlos von meiner Kunst leben.
Es ist selten, dass ein Künstler von Anfang an Erfolg hat.
Ja. Mein Erfolg hat mich von Anfang an motiviert. Ich bin ein Schaffer und habe immer sehr hart gearbeitet. Es ist klar: man muss etwas abliefern.
Arbeiten Sie auch auf Bestellung?
Nein, ich bin kein Auftragskünstler. Das hat mich nie interessiert. Die Leidenschaft, das innere Feuer treiben mich an. Ich will machen, was ich will und nicht versuchen, Vorstellungen anderer gerecht zu werden, denn das gelingt ohnehin nie. Ich habe meinen eigenen Stil entwickelt, den man heute kennt und das ist gut so. Wenn einem Betrachter mein Werk gefällt und es kaufen will, dann stimmt es für beide Seiten.
Wenn Sie an ein neues Bild herangehen, haben Sie bereits von Beginn weg einen konkreten Plan?
Während der Arbeit bin ich in einer Art Meditation. Ich habe eine Grundidee, von welcher aus sich mein Bild entwickelt und nicht von Beginn weg ein fertiges Werk im Kopf.
Wie ist Ihre technische Herangehensweise und wie lange dauert es, bis Sie ein Bild vollendet haben?
Ich schneide symmetrische wie auch asymmetrische Scherenschnitte. Geschnitten wird immer von aussen gegen innen. Dabei verwende ich ausschliesslich die Schere. Heute arbeite ich etwas weniger als früher aber meine Arbeit ist nach wie vor mein Lebensquell. Bei grösseren Werken können gut eine bis mehrere Wochen Arbeit darinstecken.
Gibt es Arbeiten, die unverkäuflich sind?
Wissen Sie, ich lebe ja von der Kunst und kann nicht gut meine eigenen Werke sammeln. Die Bilder sind wie meine Kinder. Die muss man irgendeinmal ziehen lassen. Selbstverständlich hängen in meinem Atelier aber auch Bilder von mir, die mich für immer begleiten.
Corinne Fischer
Infobox
Zur Person: Im Emmental aufgewachsen, ist Ueli Hofer seit 45 Jahren freischaffender Künstler. 2003 wurde ihm der Berner Kulturpreis verliehen. Gemeinsam mit seiner Frau wohnt der 72-Jährige in Trimstein, wo er ebenfalls sein Atelier hat. Mit Ausstellungen im In- und Ausland sowie einem 6-monatigen Aufenthalt in New York hat sich der Vater von 3 erwachsenen Kindern und 6 Grosskindern stetig weiterentwickelt und gilt als einer der bekanntesten zeitgenössischen Scherenschnitt- und Collagenkünstler.
Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Rüttihubelbad ist kostenfrei und vom 18.01. bis 23.02.2025 täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.