Das Büro der Bantiger Post ist aufgrund einer technischen Störung telefonisch bis auf Weiteres nicht erreichbar.

Hilfe, mein Kind isst nicht richtig!

Gut gemeint aber nicht zielführend: Grösseren Kindern sollte kein Essen zugeführt werden

Mit «Dauergeschrei am Esstisch» hat der Eltern Verein Vechigen Ende Oktober einen Event zu Ernährungsfragen organisiert, die viele Familien mit Kindern beschäftigen. Wie es gelingen kann, dass das Miteinander am Familientisch (wieder) Freude macht.

Kinder brauchen für ein gesundes Wachstum und eine optimale Entwicklung eine abwechslungsreiche, vielseitige Ernährung mit gesunden Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Was aber tun, wenn sich der eigene Nachwuchs standhaft weigert und nur sehr eingeschränkt vom Essen am Familientisch zu sich nehmen will?

Professionell und genussvoll
Um diese und weitere brennende Fragen rund um das Thema Ernährung zu erörtern, lud der Eltern Verein Vechigen am 22. Oktober 2024 interessierte Eltern zum Vortrag mit Apéro und gemeinsamem Austausch ein. Mit Fachreferentin Stephanie Graf, Ernährungsberaterin an der Kinderklinik des Berner Inselspitals, und den beiden im Worblental aktiven Ernährungsberaterinnen des Netzwerks Nutricare, Lea Fleury und Anna-Barbara Sterchi, durften die Anwesenden von einer geballten Portion Fach- und Praxiskenntnissen profitieren und sich während dem Event – für einmal ohne Geschrei – am reichhaltigen Apéro gütlich tun.


«Es gibt nicht die eine Lösung aller Probleme.» 

Stephanie Graf, Ernährungsberaterin

Gleich zu Beginn ihres Referats stellte Ernährungsberaterin Stephanie Graf klar, dass es nicht das eine Patentrezept gebe, um Kinder zum Mitessen zu motivieren: «Jedes Kind, jede Familie ist anders», führte die Fachexpertin dabei aus. Anhand von Fallbeispielen aus der Praxis und mit aktivem Einbezug des Publikums zeigte sie Stolpersteine, Gefahren und mögliche Wege zur Situationsverbesserung auf. 

Ab wann muss ich mir Sorgen machen?
Während viele Kinder hin und wieder etwas nicht mögen, gibt es sogenannte «Picky Eater», also wählerische Esser, die sich einseitig selektiv ernähren. Oft sind dies aktive, leicht ablenkbare Kinder. Bei manchen spielt die Farbe und Textur des Essens eine Rolle und einzelne haben Phasen, in welchen sie wochenlang nur dieselben 2–3 Gerichte zu sich nehmen wollen. Grundsätzlich ist dieses Essverhalten nicht gefährlich, wenn sich daraus keine Störung entwickelt. Sorgen sind dann angebracht, wenn ein Kind nicht richtig gedeiht, es anstelle der zu erwartenden Gewichtszunahme zu einer Gewichtsabnahme kommt, wenn sich Mangelerscheinungen und Entwicklungsstörungen zeigen, ein Kind keine Energie und Reserven hat, essensbezogene Ängste oder Schwierigkeiten im Alltag wie Essen in Gesellschaft oder ein allgemeines Desinteresse beim Essen auftauchen.

Was tun, was lassen?
Eltern haben rasch Angst, dass ein Kind sich nicht gesund genug ernährt und wird das liebevoll
zubereitete Essen von Mama oder Papa regelmässig verschmäht, liegen die Nerven schnell mal blank. Ideal ist gemäss Fachreferentin Stephanie Graf, wenn das Kind mitgestalten und mitkochen kann, möglichst oft probiert aber auch sagen darf, wenn es etwas nicht möchte. Hier gilt es, die Grenzen des Kindes zu akzeptieren. Lehnt das Kind eine Mahlzeit ab, wird empfohlen, das Menu nach dem Familienessen abzuräumen und nicht später ein weiteres Mal aufzutischen. Eltern sind keine Restaurants und müssen keine Ersatzspeisen kochen. Stattdessen ist es sinnvoll, eine sich nicht ändernde, gemochte aber nicht allzu attraktive Alternative, wie ein Stück Brot, Reiswaffeln oder rohes Gemüse anzubieten. Zwischen den Haupt- und Zwischenmahlzeiten sollte hingegen auf ein ständiges «Snacken» verzichtet werden. Richtig ist, das Essverhalten nicht zu kommentieren und weder zu loben noch zu tadeln. Und Achtung: Desserts sind nicht als Belohnung oder Bestrafung einzusetzen. Entschliesst sich eine Familie für ein Dessert, soll jedes Familienmitglied mitessen dürfen, auch wenn zuvor scheinbar kein Appetit vorhanden war.

Hilfe, mein Kind isst fast nichts!
Isst das Kind nur wenig, kann es helfen, Essen mit wenig Volumen und hoher Energiedichte anzubieten und das Essen mit zusätzlichem Pflanzenöl anzureichern. Manche Eltern versuchen, Kindern, die bereits aus dem Breialter gewachsen sind, das Essen einzugeben oder wenden elektronische Hilfsmittel wie Tablets als Ablenkung an – beides ein No-Go.

Hilfe angezeigt
«Kinder sind generell sehr resistent», betont Stephanie Graf. Machen sich Eltern aber Sorgen, dass eine Fehl- oder Mangelernährung bestehen könnte, sollen sie sich unbedingt an den Kinderarzt wenden. Bei Bedarf kann dieser eine Ernährungsberatung verschreiben, die dann auch von der Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt wird. 

Corinne Fischer

Infobox
Anlässe und allgemeine Informationen des Eltern Verein Vechigen (EVV): 
www.elternverein-vechigen.ch
Infos und Kontaktadressen des Netzwerks Nutricare zur wohnortsnahen Ernährungsberatung: www.netzwerk-nutricare.ch

Werbung

Das könnte Sie auch interessieren:

Suchtrail zum Jubiläum

Zu seinem 150-jährigen Jubiläum schenkt das Wohn- und Pflegeheim Utzigen der Bevölkerung einen Suchtrail.

HANG3 – Tauschen statt Kaufen

An der dritten Ausgabe vom HANG-Kleidertausch am Samstag, 29. März wechselten Stapelweise Kleider die Besitzerinnen