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Der Luchs grüsst aus dem Worblental

Worblentaler Luchs

Seit längerem kursieren Geschichten, dass sich ein Luchs in unserer Region niedergelassen haben soll. Luchsexpertin Marianne Bürki hat das eindrückliche Exemplar mit ihrer Wildtierkamera festgehalten. Ein Bericht über die Faszination Luchs und ob wir nun Angst haben müssen, wenn wir durch unsere Wälder ziehen.

 Nein, es ist kein Aprilscherz, der Luchs wird tatsächlich sporadisch im Worblental gesichtet. Wie oft die grösste Wildkatze der Schweiz allerdings wirklich durch unsere Wälder streift, ist schwer zu sagen, denn Luchse sind territoriale Tiere, wobei die Grösse des Territoriums stark variiert.

Einzelgänger
Gemäss der In-State Stiftung KORA, Raubtierökologie und Wildtiermanagement mit Sitz in Ittigen, beträgt das mittlere Wohngebiet eines Luchsweibchens um die 90 km2 und eines -männchens um die 150 km2. Diese Werte können jedoch stark abweichen mit Gebietsgrössen von 40 bis 400 km2 und schwanken auch in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot und Zustand der Population.

Mit Ausnahme von Weibchen mit Jungtieren leben Luchse einzelgängerisch. In ihrem Revier dulden sie keine anderen erwachsenen Tiere des gleichen Geschlechts, aber Reviere von Männchen umfassen ein bis zwei Reviere von Weibchen. Die Raumaufteilung zwischen den Luchsen wird mit Duftmarken aufrechterhalten. Zudem verständigen sie sich mit Rufen.

Dem Luchs auf der Spur
Meistens sind Luchse in der Nacht unterwegs, während der Paarungszeit, der sogenannten Ranzzeit von März bis Mitte April, sind sie aber auch tagsüber aktiv. Grundsätzlich sind die Tiere mit den Pinselohren zurückhaltend und sollten nicht unnötig gestört werden. Wer sich dennoch auf die Spuren des Luchses begeben möchte, ist bei Marianne Bürki an der richtigen Adresse. Hauptberuflich als Lehrperson am Freien Gymnasium Bern tätig, verbringt die Könizer Luchsexpertin praktisch jede freie Minute im Gelände, liest Spuren, zeichnet Tiere mit der Wildtierkamera auf und weiss, wann und wo die Chancen intakt sind, auch mal von blossem Auge einen Luchs zu erblicken. Ihr ist es denn auch gelungen, den Worblentaler Luchs mit ihrer Wildtierkamera abzulichten. 

«So wunderbar es ist, einen Luchs in seiner natürlichen Umgebung zu beobachten, so gilt es auch, die Tiere nicht zu bedrängen.»

Eintauchen in eine Welt, die direkt neben uns existiert
Nebenberuflich bietet Marianne Bürki in Kleingruppen Wildtier-Touren an. Soeben hat sie ihr erstes Buch herausgegeben und meint: «Warum gehe ich in abgelegene Wälder, lese Spuren, lausche, beobachte, jeweils nur mit einer vagen Hoffnung? Es ist die Faszination für ein Tier, das kaum jemand zu Gesicht bekommt: den Luchs.» 

Bewusst in kleinem Rahmen
£Reich wird Marianne Bürki mit ihren Touren nicht, denn sie führt nur Einzelpersonen oder Kleingruppen ins Gelände. Es bereitet ihr grosse Freude, Interessierte anzuleiten, gleichzeitig ist es jedoch eine Gratwanderung, denn so wunderbar es ist, einen Luchs in seiner natürlichen Umgebung zu beobachten, so gilt es auch, die Tiere nicht zu bedrängen und nicht in Horden quer durch die Wälder zu trampeln. Entsprechend wird auch nicht verraten, wo genau der Worblentaler Luchs fotografiert wurde.

Wie gefährlich ist der Luchs?
Wissen, Glück, Erfahrung und viel Geduld benötigt es laut Marianne Bürki, damit eine Live-Sichtung gelingt. Aber was ist, wenn man mit seinem Hund im Wald unterwegs ist und trotz geringer Wahrscheinlichkeit überraschend einem Luchs gegenübersteht? Dann beruhigt es schon mal zu wissen, dass weder Mensch noch Hund auf dem Speiseplan der Raubkatze stehen, die in der Regel das Weite sucht und nicht die Konfrontation. Attacken auf Menschen sind keine bekannt, in seltenen Fällen kommt es jedoch vor, dass ein Luchs einen Hund angreift und mit seinen Krallen verletzt, wenn er sein Junges schützen oder ein gerissenes Beutetier gegen einen freilaufenden Hund abschirmen will. Angst ist somit nicht angezeigt, verweilt eine Luchsin mit Jungen in der Gegend, ist es aber nicht verkehrt, seinen Vierbeiner an der Leine zu führen.

cfr

Unser heimlicher Nachbar – der Luchs – eine Spurensuche, wurde Anfang März 2026 von Luchsexpertin Marianne Bürki im Eigenverlag herausgegeben. Es ist ein anschauliches, in gut verständlicher Sprache verfasstes Buch für alle, welche die Natur nicht nur sehen, sondern wirklich erleben und verstehen wollen.

Das Buch ist via wildtier-touren.ch zu einem Preis von CHF 37.90 inkl. Porto erhältlich.

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