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Stromausfall, Verletzte und ein penetranter Journalist

Kommen Verletzte, wird die Ambulanz gerufen

Vechigen übte den Ernstfall. Wie es der Kanton im Katastrophenfall vorsieht, wurde ein Notfalltreffpunkt eingerichtet, der für die Bevölkerung als erste Anlaufstelle dient. Was man da so alles erleben könnte, zeigten die vielen Freiwilligen, die sich mit Charme und Witz an der Übung beteiligten.

Vechigen befindet sich im Ausnahmezustand. Wegen dem Sturmtief «Karin» hat die ganze Gemeinde seit 20 Stunden keinen Strom mehr. Auch Teile von Worb und Stettlen sind davon betroffen. Grund für den Stromausfall sind Sturmschäden. Diverse Bäume sind auf die Stromleitungen gefallen und haben diese gekappt. Nur das Wohn- und Pflegeheim Utzigen und die Wasserversorgung sind dank eigener Generatoren und autarker Photovoltaikanlagen mit Strom versorgt, wie die Gemeinde mitteilt. Umgefallen, Bäume blockieren zudem die Strassen. Die Bevölkerung ist teils in Aufruhr, teils verunsichert. Was tut man in einem solchen Fall?

Rund um die Uhr geöffnet
Zum Glück ist das beschriebene Szenario nur Fiktion. Der Bevölkerung von Vechigen geht es gut, es gab keinen Sturm und auch keinen Stromausfall. Doch es ist realistisch, dass ein solcher Fall eintreffen könnte. Deshalb organisierte die Gemeinde eine entsprechende Notfallübung. Denn tritt ein solches Ereignis ein, bei dem die Kommunikation und die Informationsflüsse erschwert oder ganz unterbrochen sind, so richten die Gemeinden einen sogenannten Notfalltreffpunkt ein. Sie dienen als erste Anlaufstelle für die Bevölkerung. Die Vorgaben dazu macht der Kanton, verantwortlich für die Umsetzung ist die Gemeinde, beziehungsweise der im Notfall einberufene Gemeindeführungs- oder Krisenstab. Die Inbetriebnahme der Notfalltreffpunkte hängt vom Ereignis ab und kann regional unterschiedlich sein. Bei Bedarf werden sie gemäss dem Kanton innerhalb von zwei Stunden aufgebaut und sind – wenn nötig – rund um die Uhr geöffnet. 

Information durch die Gemeinde
In Vechigen befindet sich der Notfalltreffpunkt im Saalprovisorium Oberstufenschule an der Bernstrasse. Eine Fahne und Wegweiser kennzeichnen den Standort. Sobald der Notfalltreffpunkt in Betrieb genommen wird, erfolgt eine rechtzeitige Information an die Bevölkerung durch die Gemeinde. Entsprechende Informationen befinden sich auch auf der Website der Gemeinde Vechigen.

Triage-System
Wie unterschiedlich die Anliegen aus der Bevölkerung sein können, zeigten die vielen Freiwilligen, die sich an der Übung beteiligten. Und sie demonstrierten dies auf eine unterhaltsame und auch witzige Weise – trotz allem Ernst der Sache. Der Treffpunkt funktioniert in einer Art Triage-System. Beim ersten Posten schildern die Personen ihr Anliegen und werden dann entweder weiterverwiesen oder weggeschickt, wenn das Anliegen kein wirklicher Notfall ist. Weggeschickt wurde etwa der imaginäre Betreiber einer Hanfplantage. Er wollte eine Notstromanlage in bar bezahlen und das selbstverständlich ohne Einbezug von Polizei und Behörden. Es liegt auf der Hand, dass ein solches Anliegen weder systemrelevant noch überlebenswichtig ist. So wie der «Junkie», der kaum unter seiner Perücke hervorsah und hier nach dem nächsten Kick suchte.

Auch direkte Hilfe
Echte Anliegen wurden bei der Übung natürlich so behandelt wie es im Ernstfall sein sollte. Da war beispielsweise die hochschwangere Frau, die unsicher war, ob es gleich losgeht mit der Geburt; oder die Verletzte mit blutenden Wunden. In solchen Fällen wird sofort die Ambulanz gerufen. Und es wird im Ernstfall minutiös darüber Buch geführt. Der Name wird aufgenommen, die Art des Problems und die vor Ort getroffene Massnahme wie beispielsweise das Aufbieten der Feuerwehr bei überschwemmten Liegenschaften, oder der Polizei, wenn «dubiose Gestalten» um die Häuser schleichen. Manchmal kann auch direkt geholfen werden. So erhielt jener Bürger ohne Notvorrat zuhause mindestens einen warmen Kaffee. Abgerundet hat das ganze Szenario noch ein penetranter Journalist, der den Verantwortlichen Unfähigkeit vorwarf und diesen unverfroren das Mikrofon ins Gesicht streckte. Allerdings nicht zu verwechseln mit dem hier Schreibenden, der sich als stiller Beobachter der Szenerie im Hintergrund hielt, um hier Bericht zu erstatten.

Adrian Hauser

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