Während Hitzeperioden suchen zahlreiche Fische die Worble als Rückzugsort auf
Längere Hitzeperioden und ausbleibender Regen bringen die Fischbestände zunehmend unter Druck. Während die Aare im Kanton Bern bisher von einem grösseren Fischsterben verschont geblieben ist, leiden besonders kälteliebende Fischarten unter den hohen Wassertemperaturen. Entscheidend für ihr Überleben werden dabei kühle Rückzugsorte.
Während viele Menschen an heissen Sommertagen die Aare zur Abkühlung nutzen, kämpfen ihre Bewohner mit den Folgen der Hitze. Besonders im Abschnitt zwischen Thunersee und Wohlensee geraten verschiedene Fischarten zunehmend unter Stress. In kleineren Gewässern mussten in diesem Sommer kantonsweit bereits über 60’000 Fische aus austrocknenden Bachabschnitten in kühlere Gewässer umgesiedelt werden. Mitarbeitende der Fischereiaufsicht sowie freiwillige Helferinnen und Helfer aus Fischereivereinen stehen dafür seit Wochen im Dauereinsatz.
Nicht überall sind die Bedingungen gleich
Wie stark die Hitze den Fischen zusetzt, hängt sowohl von der Fischart als auch vom jeweiligen Aareabschnitt ab. Besonders empfindlich reagieren kälteliebende Arten wie Äschen und Forellen. Bereits ab einer Wassertemperatur von rund 20 Grad geraten sie unter Stress, ab etwa 24 Grad kann die Situation lebensbedrohlich werden.
Innerhalb des Kantons Bern zeigt sich ein unterschiedliches Bild. Unterhalb des Wohlensees leben bereits mehrheitlich wärmeliebende Fischarten. Oberhalb prägen dagegen Forellen, Äschen, Barben und weitere Begleitarten die Aare. Gerade diese Arten leiden besonders unter den steigenden Wassertemperaturen. Noch weiter oberhalb, im Bereich des Brienzersees, bleibt die Aare dank der Schneeschmelze das ganze Jahr über kühl und bietet den Fischen deutlich günstigere Lebensbedingungen.
Solche Situationen treten seit einigen Jahren immer häufiger auf. Längere Hitzeperioden, höhere Wassertemperaturen und tiefe Wasserstände verändern die Lebensräume der Fische zunehmend. Während kälteliebende Arten unter Druck geraten, könnten wärmeliebende Arten künftig von den veränderten Bedingungen profitieren.
«Gerade in Hitzeperioden gewinnen kleinere Zuflüsse an Bedeutung.»
Die Worble wird zum Rückzugsort
Gerade in Hitzeperioden gewinnen kleinere Zuflüsse an Bedeutung. Die Worble mündet bei Worblaufen in einen Aareabschnitt, der aufgrund der Wasserkraftnutzung weniger Wasser führt und sich entsprechend stärker erwärmt. Weil die Worble deutlich kühler ist als die Aare, wird ihre Mündung für viele Fische zum wichtigen Rückzugsort.
Während der heissesten Phase dieses Sommers versammelten sich dort schätzungsweise rund 1’000 Äschen sowie zahlreiche weitere Fischarten. Langfristig könnte die Worble von Revitalisierungsmassnahmen profitieren. Gleichzeitig nimmt der Druck auf die Gewässer durch den steigenden Wasserbedarf für die landwirtschaftliche Bewässerung weiter zu.
Rücksicht hilft den Fischen
Das Fischereiinspektorat des Kantons Bern bittet die Bevölkerung signalisierte Schutzzonen und Rückzugsräume der Fische zu respektieren. Besonders Bacheinmündungen sowie tiefere, ruhiger fliessende Gewässerabschnitte bieten den Tieren während Hitzeperioden wichtige Rückzugsmöglichkeiten. Wer diese Bereiche meidet, leistet einen einfachen, aber wertvollen Beitrag zum Schutz der Fischbestände. tpa