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Lehrling revolutioniert den Schnäppchen-Markt

Gründer Nick Gilgen

Eine bedienerfreundliche Online-Marktplattform ohne Verkaufsgebühren müsste es geben, dachte sich Lehrling Nick Gilgen, als er seinen Roller verkaufen wollte. Entschlossen klemmte sich der junge Hettiswiler hinter das Projekt und gründete die Plattform Schnäppli24.ch. Damit ist ihm Beeindruckendes gelungen. 

Weihnachten vorbei und das eine oder andere, das weiterziehen darf? Januarloch im Portemonnaie und auf der Suche nach einer günstigen sprich Occasion-Alternative für das Objekt der Begierde? So gedacht und schon ist der Klick zur Online-Marktplattform nicht mehr weit.

Vom Reiz, Grenzen auszuloten
Auch Nick Gilgen griff auf eine der bestehenden Plattformen zurück, als er sich nach frisch bestandener Autoprüfung ein Auto anschaffen und für dessen Finanzierung seinen Roller verkaufen wollte. Dabei stellte der Lernende fest, dass ab einem gewissen Betrag oftmals auch bei Gratis-Marktplattformen Gebühren anfallen, was ihn störte. «Als Informatiker interessiert es mich, meine Grenzen herauszufinden, also beschloss ich, selber eine solche Plattform zu entwickeln», erzählt der 18-Jährige beim Interview. 

Wer nicht probiert, erreicht auch nichts
Anfänglich war das Ziel wenig konkret und es war auch eine gewisse Skepsis von aussen vorhanden. Er müsse es eigentlich gar nicht erst probieren, da die bekanntesten Schweizer Plattformen auf ein Millionenbudget und eine grosse Anzahl Mitarbeitende zurückgreifen könnten, hiess es etwa. Davon liess sich Nick Gilgen jedoch nicht abschrecken. Mit der Überzeugung, dass es in Zeiten von Künstlicher Intelligenz auch als Einzelperson möglich sein müsse, eine Plattform zu entwickeln, machte er sich in seiner Freizeit ans Werk.

«Das Projekt ist meine Leidenschaft und wenn ich anderen damit helfen kann, bereitet mir das eine riesige Freude.»

Von Zeit und Geld
Bereits in der Schulzeit hatte der Schnäppli24.ch-Gründer Webseiten programmiert und neben der Lehre damit begonnen, Applikationen zu entwickeln: «Ich wusste, dass die Möglichkeit besteht, Seiten mit Werbung zu monetarisieren, so dass die Infrastrukturkosten und ein kleiner Gewinn im Prinzip locker herausgeholt werden können». Das finanzielle Risiko hielt sich somit in Grenzen. «Meine grösste Investition ist meine Zeit», erläutert der Junginformatiker, der sich mitten im letzten Lehrjahr befindet. Und wäre das Projekt gescheitert, hätte er immerhin auch einiges an Erfahrung gesammelt. Gescheitert ist Nick Gilgen indessen nicht – im Gegenteil.

Gewinn für alle Beteiligten
Seit letztem Sommer ist Schnäppli24.ch aufgeschaltet. Dabei hat der innovative Hettiswiler alles umgesetzt, was ihm wichtig erscheint. Die Grundfunktionen auf der Seite sind und bleiben gratis. Einnahmen werden durch Werbung und mittels freiwilliger Boost-Inserate generiert, wobei Nick Gilgen dafür sorgt, dass keine anstössige Werbung auf seiner Seite landet und Sicherheitsrichtlinien eingehalten werden. Was für Verkaufende ebenfalls toll ist: Die Bedienung ist enorm nutzerfreundlich, ein Inserat innerhalb null Komma nichts erstellt. Eine Live-Demonstration anhand eines In-Ear Kopfhörer-Headsets verblüfft. Ein soeben mit dem Natel gemachtes Foto wird auf Schnäppli24.ch geladen und dank KI wird sogleich ein Inseratentext inklusive Angaben zur Produktmarke und zum Warenzustand generiert. Das Beispiel zeigt aber auch, dass dem Nutzer zwar viel Arbeit abgenommen wird, es dennoch menschliches Zutun in Form einer kurzen Nachkontrolle benötigt. Im Falle des Kopfhörers erfasst das System nämlich nur das Case, da sich die KI nicht überlegt, dass ein Verkäufer wohl nicht nur die Hülle, sondern auch den Inhalt verkaufen möchte. Trotzdem: der Zeitgewinn und der Komfort beim Inserieren begeistern.

Das «Baby» wächst
Bereits einige Monate nach der Veröffentlichung hat Schnäppli24.ch mehrere hundert Kunden und es werden ständig mehr. Gut möglich, dass sich aus der Seite ein lukratives Geschäft entwickelt. Aber darum geht es Nick Gilgen primär nicht: «Das Projekt ist meine Leidenschaft und wenn ich anderen damit helfen kann, bereitet mir das eine riesige Freude.» 
Zudem hat der bescheiden gebliebene, findige Technikfan bereits neue Ideen im Kopf. Aber zuerst einmal gilt es für ihn, im Sommer den Lehrabschluss zu machen.

cfr

Infobox
Schnäppli24.ch wird tatsächlich mit ä im Domain-Namen geschrieben. Andere Versionen wurden offenbar von Geschäftemachern bereits vor längerer Zeit aufgekauft. Möchte man eine dieser nicht genutzten Adressen verwenden, würden hierfür mehrere tausend Franken fällig. Auch ein Geschäftsmodell – wenn auch ein weniger erfreuliches.

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